Deutscher Ärzte-Verlag: Expertensymposium „Impfen – ein Leben lang!?“

06.05.2015

Im Rahmen der 121. Jahrestagung der DGIM veranstaltete der Deutsche Ärzte-Verlag ein Expertensymposium zum Thema „Impfen – ein Leben lang!?“. Moderatorin Dr. med. Vera Zylka-Menhorn führte durch die Veranstaltung und eröffnete die Diskussionsrunde mit einer interaktiven Abstimmung. 68 Prozent der Teilnehmer im Saal befürworteten eine gesetzliche Impfpflicht, die übrigen 32 Prozent nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die Expertenrunde diskutierte darüber, wie Nicht-Geimpfte am besten erreicht werden können. Dabei spielt die Arzt-Patienten-Kommunikation eine entscheidende Rolle.

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Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, sagte, dass heute vielfach die authentische Erfahrung fehle, wie schwerwiegende Folgen der Erkrankungen, gegen die geimpft werden kann, aussehen. Eine gute Aufklärung bei Skeptikern sei notwendig.  Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Moderator, Arzt und Wissenschaftsjournalist, ergänzte, dass sich gute Argumente und Vernunft in der Diskussion um das Impfen nicht durchsetzen. In der Kommunikation müssten neue Wege gegangen werden. Eine geschützte Online-Plattform sollte gesicherte Informationen zum Impfen bündeln, sodass keine Verunsicherung beim Patienten aufkommt, der im Web nach Informationen sucht. Dr. med. Heidrun Thaiss, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wies darauf hin, dass mit der zunehmenden Möglichkeit, sich zu informieren, die Skepsis gegenüber Impfen bei Patienten gestiegen sei. Eine fachliche Meinung zu erfahren, sei Patienten wichtig. Dr. med. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, trat dafür ein, dass jedes Kind ein Grundrecht auf Impfschutz gegen Krankheiten hat, für die es einen wirksamen Impfstoff gibt. Eltern hätten dieses Grundrecht zu bedienen. Prof. Dr. Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie, wies darauf hin, dass auch die Durchimpfungsrate beim medizinischen Personal nicht optimal ist und plädierte für eine Impfpflicht in diesen speziellen Berufsgruppen - die vertraglich vergleichsweise einfach zu regeln sei. Dr. med. Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, sagte, dass der „Herdenschutz“ selbstverständlich sein solle. Impfen müsse so einfach und attraktiv wie möglich gemacht werden. Auch er wies auf die Verpflichtung der Allgemeinbevölkerung gegenüber jenen hin, die nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Immunsupprimierte bzw. Patienten mit speziellen chronischen Erkrankungen.

Ob das Bewusstsein für Impfungen stärker in die Ausbildung von Medizinern eingebracht werden muss, diskutierten die Teilnehmer ebenfalls, denn oftmals fehle gerade Jüngeren die praktische Erfahrung, welche Folgen eine Infektion mit Krankheiten wie zum Beispiel Pocken haben kann. Welche Auswirkungen der fehlende Impfschutz einzelner auf die Bevölkerung hat, und wie wichtig daher der „Herdenschutz“ ist, demonstrierte von Hirschhausen in einem kurzen Experiment mit dem Publikum, das dazu aufstehen musste.

Sehen Sie sich hier das gesamte Symposium im Video an.